Heute, früher und dazwischen
Als großer Freund von Nostalgie, Nachhaltigkeit und Kuriosem rund um die Immobilie möchte ich diesen Blog für Wissenswertes und kleine Alltagsmomente rund um Haus und Hof nutzen – für Sie zum Nachdenken, Diskutieren oder einfach zum Schmunzeln.
Immobilienfotografie - eine unbekannte Galaxy?
Da schauen Sie sich eine Immobilie zum Kauf an und sehen plötzlich, dass im Hauptbadezimmer nicht nur ein Außenrollo vor dem Fenster heruntergelassen wurde, wie es im Exposé schien, sondern der Eigentümer etwa 30 cm vor dem Fenster vollflächig ein Gebäude angebaut hat. Das war dem Makler gar nicht aufgefallen, als er die Fotos gemacht hatte - das Rollo zu öffnen war einfach gar nicht Teil seiner Vorbereitungen für die Fotografien!
Eher unnötiges Beiwerk, so scheinen manche Hausverkäufer oder Immobilienmakler also über ihre Fotozusammenstellung im Exposé zu denken. Viele Jahre traf das sicherlich für unsere Gegend auch zu: Ganz gleich, wie die Fotos eine Immobilie darstellten, verkauft wurde sie doch sowieso.
In Zeiten steigender Darlehenszinsen und fehlender Handwerksfachkräfte sollten Sie als Verkäufer oder Ihr Makler sich bei der Fotografie aber gerne etwas mehr bemühen. Damit meine ich nicht, Ihre Immobilie anders darzustellen, als sie nunmal ist. Vielmehr sollten Sie Ihrem potenziellen Käufer die Möglichkeit geben, sich in diesem Zuhause selbst wiederzufinden, selbst wenn ihm kein großes Gestaltungsbudget zur Verfügung steht. Schauen wir uns einige wichtige Aspekte zur Umsetzung genauer an!
Die Schärfe
Manche Bilder sind richtig gelungen, wäre da nicht das unbekannte Endgerät aus der anderen Galaxie – der Computer, oder das iPad. Machen Sie keine Aufnahmen in magerer Auflösung mit dem Handy. Der Interessent möchte sie sich oft in aller Ruhe zu Hause auf einem anderen Gerät ansehen und ihm wird ganz schwindelig von den wenigen Pixeln, auf die er da blickt. Ein wenig vergleichbar mit dem analogen Fernsehen der 80er Jahre, das wertet Ihre Immobilie nicht gerade auf. Nutzen Sie eine gute Kamera und laden Sie die Bilder möglichst ohne, oder nur mit wenig Auflösungseinsparungen in Ihr gewähltes Immobilienportal oder Exposé.
Das Licht
Manche Immobilien werden ohne jegliches Licht „abgelichtet“. Man versucht sich, in dieses eigentlich schöne Haus hineinzudenken, aber hat den Eindruck, in einer Höhle zu sein, aus der man schnell wieder rausfinden möchte. Wollte der Eigentümer Strom sparen, oder hatte der Makler keine Zeit, einen Lichtschalter zu drücken? Mit Licht kann soviel Atmosphäre entstehen, sei es das natürliche Sonnenlicht, das gewöhnliche Deckenlicht, ein paar Kerzen, ein Kaminfeuer, der Kamerablitz oder zusätzlich installierte oder freistehende Lämpchen. Alles, was vorhanden ist, sollte, besonders in dunklen Räumen, sinnvoll und natürlich eingesetzt werden.
Ich selbst habe gerade meinem Kundenbüro eine neue Deckenlampe gegönnt. Die Lampe selbst war mir gar nicht das Wichtigste, die Wahl des Leuchtmittels war meine große Herausforderung, denn auch über die Fotografie hinausgehend: Meine Kunden sollen sich in dem Licht gut fühlen und nicht den Eindruck haben, auf dem OP-Tisch (zu hell, zu kalt) oder in einer Kneipe (zu dunkel, zu warm) zu sein.
Die Bildaufteilung
Gerade in der Raumfotografie neigen wir dazu, immer den Mittelpunkt des Raumes zu küren und auf den Auslöser zu drücken. Ganz gleich, ob nun genau in der Mitte ein wunderschöner Sessel steht, oder nur eine alte, gebrochene Bodenfliese zu sehen sind. Unser Sinn für Ordnung und Ganzheitlichkeit zwingt uns regelrecht dazu. Nur alte Fotoapparate mit kurioser Fokussierung scheinen unsere Prinzipien zu durchbrechen: Auf Kinderbildern bin ich oft nur noch mit meinem Kopf unten rechts im Bild zu sehen, während die Tapeten der damaligen Zeit und auch mal ein gesticktes Bild sehr zur Geltung kommen durften. Für die Raumfotografie sollten wir uns manchmal dieses scheinbare Prinzip alter Fotoapparate zu Nutze machen: Warum nicht das Sofa nur im Seitenwinkel abgeschnitten ablichten und dafür noch Platz im Bild für den schönen Blick nach draußen lassen? Oder im Garten eine blühende Blume einen Bildteil einnehmen lassen, während dahinter die gemütliche Terrasse erscheint (auch hier wird wieder eine gute Kamera für die Schärfen benötigt).
Die Perspektive
Und nicht alles muss schließlich gradlinig aus 1,80 m Kopfhöhe fotografiert werden. Gehen Sie in die Knie oder stellen Sie sich in die Höhe für ansprechende Perspektiven. Auch Aufnahmen mit einer Drohne (im Außenbereich, oder bei sehr hohen Decken) oder zusammengesetzte Bilder im Panoramastil können unterstützen, Ihre Immobilie voll zur Geltung zu bringen. Beim obigen Bild einer Doppelhaushälfte bin ich etwas in die Knie gegangen, habe Außen- und Innenbeleuchtung genutzt und den schönen Wein mit ins Bild genommen - Perspektive, Licht und Aufteilung!
Diskretion bitte!
Dieser Aspekt geht zwar von der rein technischen Fotografie ein wenig weg, ist aber mindestens genauso wichtig. Immer wieder werden Sie Objekte in Bildern von Immobilienportalen entdecken, die da nicht sein sollten: Private Bilder an der Wand, Bierflaschen im offenen Regal, der Name der Bauherren in den abfotografierten Bauunterlagen, ein Wäscheberg im Hauswirtschaftsraum. Unterschätzen Sie nicht die natürliche Neugierde von Menschen (gelegentlich auch solcher aus der Region ohne Kaufabsichten), Sie auf diese Weise ein wenig besser kennen zu lernen. Achten Sie auf eine neutrale Darstellung Ihrer Immobilie und geben Sie weniger von sich selbst bekannt. Natürlich können Sie aber besondere Hobbies als Wohngefühl mit ablichten, z.B. Ihre Lieblingsgitarre oder Ihr gelungenes Aquarell.
Meine Erfahrung mit dem „Bad ohne Fenster“ oben zeigt, dass Immobilienmakler und Privatverkäufer sich über Aspekte der Fotografie oft zu wenig Gedanken machen und ihr zu wenig Zeit widmen.
Unser Makler damals hätte sich im Sinne einer gelungenen Fotografie und auch für einen erfolgreichen Verkauf förderlich, mit dem Verkäufer eine kreative Lösung oder eine bauliche Aufwertung überlegen können:
Ein nachträglich eingebautes Dachfenster, eine beleuchtete, vom Künstler gestaltete Szene hinter dem Fenster oder schöne Lichtakzente in Kombination mit Regenwaldgeräuschen.
In diesem Sinne: Bleiben Sie fokussiert und kreativ, oder melden Sie sich bei mir ;-)
Mit Mechanik gegen den Dieb, oder mit offener Tür?
Mein Studium sah einen Aufenthalt in Dänemark vor, für den ich mit einer Kommilitonin eine Ferienwohnung mietete. Ankunft war an einem Sonntag; wie wir da wohl an die Schlüssel kommen? „Kommen Sie einfach in unser Büro, es ist zwar niemand da, aber Sie können sich Ihre Unterlagen und den Schlüssel im Regal aus Fach 12 nehmen und dann an einem anderen Tag nochmal zu uns kommen!“ Kaum zu glauben, dass dieses Erlebnis erst 10 Jahre her ist, oder?
Ganz so vertrauensvoll geht es in Deutschland eher nicht zu, meistens aus gutem Grund: Viele Jahre, bis 2015, stiegen die Einbruchdiebstähle, nahmen seitdem wieder ab, aber lagen auch 2021 noch bei rund 54.000 Fällen. Jetzt in der dunklen Jahreszeit sollten Sie einmal in sich gehen, ob Sie mit Ihrem Einbruchschutz (noch) zufrieden sind. Zugegeben, sich mit Einbruchschutz zu beschäftigen ist ungefähr so reizvoll, wie die Mülltonnenanordnung zu gestalten. Aber wer einmal zu den beispielhaften 54.000 Betroffenen im Jahr gehörte, möchte ihn sicherlich nicht mehr missen.
Auch schon kleine Maßnahmen bewirken viel: Abschließbare Fenstergriffe, aufschraubbare Fensterriegel oder eine Sicherungsstange für Fester oder Türen lassen sich leicht nachrüsten. Noch etwas massiver geht es beim vertikalen Stangenschloss, sowie beim horizontalen Querriegelschloss zu.
Auch beim Schließzylinder lohnt sich ein kritischer Blick: Endet er bündig mit der Tür? Schützt ihn ggf. eine Sicherheitsrosette? Hat er einen guten Aufbohrschutz, z.B. wenigstens Klasse B, oder höher?
Etwas mehr Planung und einen Fachbetrieb werden Sie i.d.R. für eine Pilzkopfverriegelung (bessere und mehr Verbindungspunkte zwischen Fenster und Rahmen) und eine einbruchhemmende Verglasung benötigen. Die vorhandenen Fenster können ganz nachhaltig mit der neuen Verriegelung / Verglasung bestückt werden. Wer es digital mag, kann sie sogar mit Glasbruchmeldern ausstatten.
Wer die Sicherheit über die Optik stellt, kann zudem auf feste Vergitterungen oder Roll- und Scherengittern im Erdgeschoss zugreifen - letztere bieten ganz nebenbei ein urbanes Flair von geschlossenen Shopping-Centern und U-Bahnen.
Einige der o.g. Mechaniken bieten sich auch für Kellerfenster und -türen an. Außerdem kommen hier Gitterrostsicherungen zum Einsatz.
Achten Sie bei allen Fensteröffnungen unbedingt auch auf Fliegengitter, Sie wollen ja sicherlich keine großen Winkelspinnen oder die seit kurzem auch bei uns im Norden gefürchteten, wenn auch ungefährlichen, Nosferatu-Spinnen beherbergen. Aber das ist ein anderes Thema und fällt wohl nicht unter den Einbruchschutz.
Bei all‘ diesen Möglichkeiten des Schutzes frage ich mich, wie sicher wohl das dauerhafte, weite Öffnen der Haustür in Kombination mit einer Lichtquelle im Haus wäre? Vergleichbar mit meiner Dänemark-Erfahrung. Außer der besagten tierischen Besucher käme wohl kein Einbrecher auf die Idee, auf eine solche Tür zuzusteuern, oder? Aber ausprobieren möchte ich es dann doch nicht…
Nächtlicher Besuch mit fedrigem Geschenk
Unser altes Haus, immer noch rund 50 Jahre alt, wird in den nächsten Monaten ein neues Dach benötigen - „einmal bitte alles“ würden wir gerne in Auftrag geben, denn sowohl in der Dämmung, als auch durch die Dachpfannen fegt fröhlich und frisch der Wind hindurch, stellenweise auch die Sonne (wenn sie denn mal scheint) oder sogar Regenwasser, wenn besagter Wind Schrägangriffe auf unsere Gaube startet. Aufgrund der aktuellen Preisexplosion bei den Rohstoffen haben wir dieses Projekt erst einmal vertagt.
Wir fragen uns aber, was sich da auf und unter unserem Dach in den letzten Jahrzehnten genau zugetragen hat, dass es diesen Zustand angenommen hat. Gerne würde ich diese Frage an ein zerfranstes Stück Glaswolle weitergeben, welches mir vielleicht ganz allgemein mit „Materialermüdung“ antworten würde.
Vielleicht würde es mir aber auch von den letzten Generationen unseres Mitbewohners berichten. Er ist in meinem Buch „Aus Wald und Flur“, das 1938 im Cigaretten-Bilderdienst Hamburg-Bahrenfeld erschienen ist (fragen Sie mich bitte nicht, wie Verlag und Buchtitel damals zueinander gefunden hatten) genauer beschrieben: Mustelidae! Oder genauer gesagt: Ein Maderartiger aus der 4. Familie der Raubtiere, in unserem Fall ein Hausmarder, der als kleines bis mittelgroßes Geschöpf von gestrecktem Leibesbau mit kurzen Gliedmaßen beschrieben wird. Wie niedlich diese Beschreibung doch klingt! Kaum vorstellbar, dass wir wohl beim Öffnen sämtlicher Verkleidungen und Fußböden einen Tierfriedhof vorfinden werden.
Auge um Auge, Zahn um Zahn, so ist es meinem Freund ergangen, als er vor ein paar Tagen nachts einem Geräusch ins Dachgeschoss folgte und unseren Mustelidae auf der Außenfensterbank so sehr erschrak, dass dieser seine erbeutete Stadttaube fallen ließ und flux hinter dem nächsten Dachwinkel verschwand, statt sie in seine Gaubennische zu zerren. Nun hatte mein Freund die Wahl: Nachtwache halten an der toten Taube oder Equipment aus dem Erdgeschoss für eine schnelle Beerdigung holen? Wer ist dann schneller zurück an der Beute – Marder oder Mensch? Er entschied sich für die zweite Lösung und gewann das Rennen.
Nun wissen wir, worauf wir bei der Dacherneuerung besonders achten werden: Dichtheit von Gaube und den Teilen unter der Dachtraufe, um keine neuen und uns unbekannten Zimmerbauten zu provozieren.
Das Buch stimmt mich aber auch nachdenklich. So beschreibt es, dass der Marder den Tag über in einsamen Scheuen, Ställen, verlassenen Gebäuden, in Steinhaufen und Holzstößen verschläft. Ich frage mich, ob es für wilde Tiere solche Rückzugsmöglichkeiten überhaupt noch ausreichend gibt in unserer hochoptimierten und kapitalorientierten Welt? Wir werden unser weiteres Projekt „Feuerholzstapel geordnet überdachen“ verändern in „wilden Feuerholzhaufen überschuppen“ - der Marder lebt hier schon länger als wir und hält gewissermaßen ein Wohnrecht, ja sogar ein Nießbrauchrecht bei uns.
Kinofilme – eine nahezu unerreichbare Information?
Unser Wohnhaus ist nunmehr 50 Jahre alt, rund 47 Jahre davon hat es seine Zeit ohne uns verbracht, mit anderen Menschen, die uns nur teilweise persönlich oder aus Erzählungen bekannt sind.
Neulich fiel mir auf einem Flohmarkt im Harz eine Zeitschrift der frühen 70er-Jahre in die Hände. „Genauso alt wie unser Haus“ dachte ich mir. So etwas lag dann wohl damals auf den schönen, bunten Nierentischen mit den graziösen Beinchen, wie es sie bestimmt auch bei uns im Wohnzimmer gab.
In die Zeitschrift reingesteckt waren mir bis dahin völlig unbekannte 4-seitige Filmbeschreibungen – zu beziehen für 0,10 DM beim VEB Progress Film-Vertrieb in Berlin. Hat man sich so damals (in dörflichen Regionen mit entferntem Kino?) auf einen Film vorbereitet? Hat man voller Spannung ein paar dieser Infoblätter bestellt, tagelang auf ihre Reise in den Briefkasten gewartet und sie sich dann im Feierabend oder am Sonntag bei Kaffee und Kuchen mit Freunden und Familie gegenseitig vorgelesen und die Bilder in die Luft gehalten, um sich gemeinsam für einen Film zu entscheiden? Hat man diese Blättchen dann in der Schule oder bei der Arbeit weitergegeben, damit sich der Nächste für seine optimale Wahl entscheiden kann?
Welch eine logistische Komplexität! Welch eine Entschleunigung gleichermaßen! Und welch eine Ungewissheit so ganz ohne vorherigem Trailer, Social Media Kommentaren und Filmkritiken!
Für mich ist das fast nur noch mit Fantasie vorstellbar, einige von Ihnen hingegen werden es wohl als selbstverständlich in Erinnerung haben.